DER ERSTE WASSERSTOFF-ETF IST DA.

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Du möchtest schon länger vom Ausbau der grünen Wasserstoffwirtschaft profitieren, bisher hat dich aber das Risiko von Einzelaktien abgeschreckt? Dann gibt es jetzt eine gute Nachricht – der erste Wasserstoff ETF ist da, der es dir ermöglicht dein Risiko ein wenig breiter zu streuen.

In diesem Artikel werden wir uns daher diesen ETF in drei Schritten ein wenig genauer anschauen und im ersten die Unternehmen untersuchen, die in dem ETF enthalten sind. Im zweiten eine Bewertung der Kennzahlen vornehmen sowie die Vor- und Nachteile aufführen und im dritten wie du diesen ETF besparen kannst. Viel Spaß!

Falls du bisher noch nicht weißt warum es überhaupt diesen Hype um Wasserstoff gibt oder was es mit den unterschiedlichen Farben von Wasserstoff auf sich hat, habe ich dir mal einen Artikel verlinkt, den du dir auf jeden Fall durchlesen solltest bevor du in den Wasserstoff Bereich investierst. Wasserstoff-Hype oder Revolution – Aus Sicht der Energiewende

Der Hydrogen Econmy ETF bildet den Referenz-Index Solactive Hydrogen Economy nach, der aus insgesamt 28 Positionen besteht. Diese 28 Positionen habe ich mal in drei Bereiche unterteilt. Der erste Bereich sind die etablierten Gaseunternehmen AirLiquide, Linde und AirProducts. Auch das Unternehmen Taiyo Nippon Sanso lässt sich diesem Bereich zuordnen. Diese Unternehmen erzeugen, speichern und liefern bereits in sehr großem Maßstab unterschiedliche Industriegase und darunter auch Wasserstoff. Was zeichnet diese Unternehmen aus? Sie haben bereits viel Erfahrung und Know-How im Handling mit Wasserstoff, da chemisch kein Unterschied zwischen grauem und grünem Wasserstoff besteht. Darüber hinaus besitzen diese Unternehmen teilweise den Vorteil, fast die komplette Wasserstoff-Wertschöpfungskette abzudecken – von der Gewinnung bzw. Herstellung und Reinigung, über die Verflüssigung, Verdichtung und Lagerung, bis hin zur Verteilung bis an die Tankstelle. Durch die strategischen Beteiligungen an Elektrolyseurherstellern können diese Unternehmen mittlerweile die Wertschöpfungskette auch um die Herstellung von grünem Wasserstoff erweitern.

Der zweite Bereich sind Unternehmen, deren Produktpalette sehr stark auf Wasserstoff fokussiert ist. Diese Unternehmen sind Hersteller von zum Beispiel Elektrolyseuren, Brennstoffzellen oder Speicherbehältern für Wasserstoff. In der vierten Spalte habe ich jeweils aufgeführt welchen Geschäftsbereich die Unternehmen zum größten Teil verfolgen. Hier sind dann mit Nel, ITM, MyPhy oder PlugPower vier Elektrolyseur Hersteller, und mit zum Beispiel Ballard Power, Powercell Sweden oder Fuel Cell Energy  Brennstoffzellenhersteller und mit Hexagon Purus eine Abspaltung des Speicherbehälterherstellers Hexagon Composites, das sich ganz auf die Tankherstellung im Wasserstoffbereich konzentriert.

Die dritte Kategorie sind weitere Unternehmen, die nicht speziell auf Wasserstoff spezialisiert sind, sondern nur einen Teilbereich ihres Unternehmens auf die Wasserstoffwirtschaft ausrichten oder Produkte anbieten, die von einem Ausbau der Wasserstoffwirtschaft ebenfalls profitieren werden. Hier sind zum Beispiel Autohersteller wie Daimler, Toyota oder Hyundai enthalten, die zum Teil Brennstoffzellenfahrzeuge anbieten bzw. zukünftig anbieten werden. Außerdem befindet sich der Offshore Windenergieanlagen Hersteller Orsted im ETF, der zum Beispiel in einem Projekt mit weiteren Partnern die Wasserstofferzeugung direkt in einem Offshore Windpark unmittelbar an den Windenergieanlagen plant. Weitere Unternehmen sind zum Beispiel mit The chemours company, Kolon industries oder Johnson Matthey Chemieunternehmen, die beispielsweise Katalysatoren herstellen, die für die Brennstoffzellenproduktion genutzt werden können.

Im zweiten Schritt möchte ich die Kennzahlen des ETFs ein wenig genauer aufzeigen und eine kleine Bewertung vornehmen. Im ETF befinden sich 28 Aktienpositionen und damit deutlich weniger als die für eine ausreichende Streuung notwendigen mindestens 200 Unternehmen.

Natürlich ist diese Auswahl immernoch breiter gestreut als Einzelaktien in diesem Bereich zu kaufen und das Risiko eines Totalverlusts des eingesetzten Kapitals ist im Vergleich zu Einzelaktien auch so gut wie ausgeschlossen. Die Standorte der Unternehmen sind weltweit verteilt und der ETF konzentriert sich logischerweise sehr stark auf eine Branche (Sektor-ETF) und ist somit sehr stark von der Entwicklung des Wasserstoffmarkts abhängig, auch wenn nicht jedes Unternehmen sein Geschäftsmodell zu 100 % auf die Wasserstoffwirtschaft ausgelegt hat. Diese Unternehmen machen den ETF nicht ausschließlich abhängig von der Entwicklung des Wasserstoffmarkts.  So erkennt man beispielsweise am Chart, dass Unternehmen aus der zweiten Kategorie, die ihr Geschäftsmodell fast ausschließlich auf die Wasserstoffwirtschaft ausgelegt haben, einen starken Zusammenhang in der Entwicklung der Kurse aufweisen.

Diese sind hier einmal blau mit Ballard Power, Lila mit Plug Power und Nel Asa in Hellgrün dargestellt. Die Aktien haben beispielsweise seit Auflegung des ETFs Anfang Februar stark eingebüßt und verlaufen sehr ähnlich nach unten. Die Entwicklung des roten Graphen ist der Hydrogen ETF und man erkennt, dass dieser besser im Vergleich zu den reinen Wasserstoffaktien abschneidet. Gründe dafür sind, dass sich zum Beispiel Unternehmen wie Daimler im ETF befinden, die einen sehr positiven Aktienverlauf hatten und nicht dem allgemeinen Trend der Wasserstoffaktien folgen. Die Aktie ist hier mal grün dargestellt.

Mit 226 Millionen € ist das Fondsvolumen ausreichend groß. Aufgrund des sehr geringen Alters von zwei Monaten lässt nicht viel über die Performance sagen, mit einem entsprechend langen Anlagehorizont von 5 bis 10 Jahren sollten sich voraussichtlich allerdings auch hier größere Schwankungen aussetzen lassen.  Der ETF wird physisch repliziert, die TER liegen mit 0,49 % gerade noch im grünen Bereich eine Aussage über die tatsächliche Tracking Differenz lässt sich aufgrund des Alters noch nicht treffen. Positiv zu bewerten ist außerdem, dass alle Positionen eine nahezu identische Gewichtung von ca. 3 bis 4 % aufweisen.

Zur Nachhaltigkeit des ETFs ist zu sagen, dass insgesamt drei Ansätze einer nachhaltigen Geldanlage verfolgt werden. Es werden von vorneherein Unternehmen ausgeschlossen, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit Kohlebergbau erwirtschaften oder an der Herstellung umstrittener Waffen beteiligt sind. Außerdem werden bestimmte Werte oder Normen zugrunde gelegt und so Unternehmen ausgeschlossen, die für einen ununterbrochenen Zeitraum von drei Jahren in die Kategorie jener Unternehmen eingestuft wurden, die mindestens eines der Prinzipien des UN Global Compact verletzen. Diese definieren die zehn weltweit akzeptierten Standards für Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruption. Der dritte Ansatz, der mit diesem ETF verfolgt wird ist der Ansatz eines Themen-/Sektorfonds, also einer Ausrichtung auf eine nachhaltige Branche. Das wird zwar durch die Ausrichtung vieler Unternehmen auf die grüne Wasserstofferzeugung zum Teil erfüllt, allerdings befinden sich auch viele Unternehmen im ETF, die nicht ausschließlich nachhaltige Produkte produzieren, weshalb dieser Punkt jetzt nicht zu 100 % Prozent erfüllt wird.

Weitere allgemeine Vor- und Nachteile eines ETFs habe ich dir in folgendem Artikel zusammengefasst: Nachhaltig investieren

Möchtest du den ETF besparen benötigst du dafür allgemein einen Broker über den du entweder Einmalkäufe tätigst oder einen Sparplan einrichten kannst. Da ein Sparplan ein stressfreies passives Investieren ermöglicht, ist hier einmal ein Vergleich der Anbieter aufgeführt, die einen Sparplan für den Hydrogen Economy ETF anbieten.

Dabei bieten allgemein scalable capital und finvesto den ETF derzeit als Aktionsetf an und damit als gebührenfreien Sparplan. Bei der comdirect und der consorsbank sind die Gebühren mit 1,5 % noch überschaubar. Beim Sparkassen Broker werden bereits 2,5 % fällig und bei der DKB oder flatex bezahlst du keinen prozentuale Gebühren, sondern einen absoluten Betrag, der bei einem 50 € Sparplan natürlich stärker ins Gewicht fällt als bei einem 500 € Sparplan. Zusammenfassend ist es also durchaus möglich den ETF kostengünstig passiv im Sparplan zu besparen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Hydrogen Economy ETF eine gute nachhaltige, einfache und kostengünstige Möglichkeit  bietet an der Entwicklung der zukunftsfähigen Wasserstoffwirtschaft teilzuhaben. Allerdings investiert man nur in eine Branche mit vergleichsweise wenigen Unternehmen, wodurch das Investment hohen Risiken ausgesetzt ist, wenn die Branche mal nicht so gut läuft. Der ETF kann somit höchstens als Ergänzung zu einem breiter gestreuten weltweiten und Branchenunabhängigen nachhaltigen ETF Portofolio dienen, wenn man wirklich die Wasserstoffwirtschaft in seinem Depot stärker gewichtet haben möchte.

Was hälst du vom Hydrogen Economy ETF? Lass es mich wissen und schreib es in die Kommentare.

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