STEIGENDE STROMPREISE 2022: Schuld der Erneuerbaren Energien?

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Wieso kostet der Strom in Deutschland so viel wie er kostet? Und wieso explodiert der Preis besonders in letzter Zeit so stark?

In diesem Artikel werde ich dir in drei Schritten zeigen wie sich der Strompreis in Deutschland überhaupt zusammensetzt, welcher der Kostenanteile in der Vergangenheit und aktuell für den Anstieg der Strompreise gesorgt hat und werde dafür auf die Umlage für Erneuerbare Energien und den Strombörsenpreis etwas genauer eingehen. Im dritten Schritt gebe ich einen Ausblick auf den Strompreis 2022.

Schritt 1 - Strompreis Zusammensetzung.

Wir als Endkunden bezahlen einen Preis für den Strom an unseren Energieversorger, der sich aus drei Hauptbestandteilen zusammensetzt.

Der erste ist die Strombeschaffung. In diesem stecken der Stromeinkauf an der Strombörse für die Erzeugung des Stroms aus großen zentralen Kraftwerken (Kohle, Gas, Öl, Atom) oder dezentralen kleineren Kraftwerken (Biomasse, Wind, Photovoltaik), der Vertrieb und die Marge des Energieversorgers.  

Der zweite Teil sind dann die Netzentgelte also die Transportkosten, die für den Ausbau und Pflege des Netzes entstehen.

Der dritte Teil sind Abgaben und Steuern wie zum Beispiel die Stromsteuer, die Umsatzsteuer oder die EEG-Umlage.

Schritt 2 - Gründe für den Anstieg.

Welcher dieser drei Teile hat in der Vergangenheit und welcher aktuell für den extremen Anstieg der Strompreise gesorgt?

Erneuerbare Energien waren um die Jahrtausendwende noch sehr teurer und hätten keine Chance am Markt gehabt wirtschaftlich betrieben worden zu sein. Aus diesem Grund gab es durch das Erneuerbare Energien Gesetz aus dem Jahr 2000 eine feste Einspeisevergütung für Betreiber von Erneuerbare Energien über eine Laufzeit von 20 Jahren.

Ziel dieser Förderung war es, dass erneuerbare Energien wirtschaftlich am Strommarkt teilnehmen und über Skalierungseffekte in Zukunft genauso teuer oder sogar günstiger als konventionelle Kraftwerke werden, um auch ohne Förderung kostendeckend am Strommarkt teilnehmen zu können.

Gezahlt wird diese Einspeisevergütung durch den Netzbetreiber und da dieser an der Strombörse nur den Marktpreis für den Verkauf des Stroms erhält und die Einspeisevergütung meist über diesem Marktpreis liegt, muss die Differenz ausgeglichen werden. Und dieser Ausgleich ist die EEG Umlage, die sich der Netzbetreiber von jedem Stromkunden in Deutschland zurückholt.

In der Vergangenheit war somit insbesondere der dritte Teil der Treiber des Preisanstieges, da die Abgaben wie die EEG Umlage stark angestiegen sind von 0,19 ct 2000 auf bis zu 6,76 ct. Auf den ersten Blick könnte man also sagen, dass die Förderung der Erneuerbaren den Strompreis erhöht hat. Aber ist das wirklich so?

Aktuell ist der Treiber für den steigenden Strompreis insbesondere der starke Anstieg des Strombörsenpreises, der im Monatsdurchschnitt teilweise bis zu 1000 % über den üblichen Marktpreisen der vorherigen Jahre lag und in diesem Dezember mit Preisen von 30 ct/kWh neue Rekorde gebrochen hat.

Der Strombörsenpreis bildet sich anhand der sogenannten Merit-Order nach dem Angebots- und Nachfrageprinzip. Dabei bieten die Kraftwerkbetreiber von Gas, Kohle oder Kernkraftwerken Ihren Strom für die Zukunft zu den Grenzkosten an der Börse an zu denen sie ihre Kraftwerke anschmeißen würden.

Den letztendlichen Strombörsenpreis einer Stunde bestimmt dabei das Kraftwerk, das gerade noch zur Deckung des Bedarfs benötigt wird. Alle Kraftwerke die zu diesem Preis oder einem niedrigeren Preis angeboten haben bekommen den Zuschlag und dürfen Strom produzieren.

Aufgrund der geringen Grenzkosten von Erneuerbaren Energie und des allgemeinen Einspeisevorrangs können diese von den Netzbetreibern oder Direktvermarktern zu einem Preis von 0 ct/kWh an der Börse angeboten werden und sind somit immer günstiger als konventionelle Kraftwerke [Quelle].

Steigt das Angebot erneuerbarer Energien im Markt verschieben sich die teureren Kraftwerke nach rechts und der Strombörsenpreis sinkt. Für den gesamten Bedarf einer Stunde wird dann dieser Preis gezahlt, also auch an Erneuerbare Energien.

Beim Strombörsenpreis sorgen mehr Erneuerbare somit für einen günstigeren Preis. Das hat man auch in der Entwicklung des Strombörsenpreises in den letzten Jahren gesehen. Durch steigenden Anteil der Erneuerbaren ist der Preis über Jahre kontinuierlich gesunken.

Das hat im gleichen Zuge aber auch den Effekt der steigenden EEG-Umlage verschärft, denn je niedriger der Marktpreis, desto höher ist auch der über die EEG Umlage auszugleichende Differenzbetrag zwischen der Einspeisevergütung und dem Marktpreis [Quelle].

Gründe für die derzeit steigenden Strombörsenpreise sind jetzt der starke Anstieg der Brennstoffpreise für Gas und Kohle, da so die Kraftwerksbetreiber auch zu höhere Kosten an der Strombörse anbieten müssen.

Außerdem fliegen in letzter Zeit mehr und mehr Atomkraftwerke aus dieser Auflistung raus und zukünftig auch Kohlekraftwerke. Der Preis steigt somit, da die teureren Kraftwerke in der Merit Order weiter nach links rutschen. Weitere Gründe für den Preisanstieg waren die hohe Nachfrage nach Energie nach der dritten Corona-Welle und die Co2 Zertifikate, die die Kosten für klimaunfreundliche Energieerzeugungsmethoden weiter erhöht haben [Quelle].

Übrigens hat der steigende Co2 Preis auch einen positiven Effekt. Er verteuert klimaunfreundlichere Kohlekraftwerke mehr als zum Beispiel Gaskraftwerke, da diese klimafreundlicher sind. Dadurch fliegen Kohlekraftwerke aus der Merit Order raus, wenn Gaskradtwerkfe günstiger werden. Noch dazu sollen alle neugebauten Gaskraftwerke Wasserstoffready sein und können somit zukünftig auch klimaneutral mit grünem Wasserstoff weiter betrieben werden. 

Wir können also festhalten: Erneuerbare Energien haben in der Vergangenheit durch die EEG Umlage zu einer leichten Erhöhung des Strompreises geführt, im gleichen Zuge aber auch die Strombörsenpreise vergünstigt zu einem der günstigsten in Europa. Eine Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, dass der Strompreis bis 2018 auf bis zu 39 Ct/kWh angewachsen wäre, wenn es keine Erneuerabren im Markt gegeben hätte [Quelle].

Dennoch wurden diese Vergünstigung leider oftmals vom Energieversorger nicht an die Endkunden weitergegeben.

Aktuell sorgen Erneuerbare Energien ebenfalls nicht für eine Erhöhung des Strombörsenpreises, sondern zu wenig Erneuerbare Energien führen zu einer Erhöhung des Strombörsenpreises, da die teueren Kraftwerke noch zur Deckung des Bedarfs herangezogen werden müssen und sich derzeit aufgrund der steigenden Gaspreise stark verteuern.

Das Verschlafen der Energiewende wirkt sich somit jetzt negativ auf den Strombörsenpreis aus.

Schritt 3 - Ausblick auf den zukünftigen Strompreis

Wird der Strompreis immer weiter ansteigen und vielleicht bald 50 ct/kWh betragen?

Der erste Kostenbestandteil die Strombeschaffung wird tatsächlich ansteigen. Die hohen Preise halten auch bis in den Frühling nächsten Jahres noch an. Zum heutigen Stand Dezember 2021 sinken die Preise erst ab April 2022, sind dann aber immernoch teuerer als im langjährigen Mittel [Quelle].

Der starke Anstieg hat dabei insbesondere Auswirkungen auf kleinere Energieversorger und sorgen bereits jetzt bei einigen für drastische Preiserhöhungen auf mehr als 40 ct/kWh im neuen Jahr [Quelle]

Erste kleine Energieversorger können dem Preisdruck nicht mehr standhalten und sind bereits insolvent gegangen.

Große Energieversorger können drastische Erhöhungen an der Strombörse aufgrund langfristiger Stromeinkäufe meist besser kompensieren. Dennoch haben die Energieversorger im Schnitt eine Preiserhöhung um 12 % für das Jahr 2022 angekündigt und sorgen somit im nächsten Jahr für einen Preis von ungefähr 35 ct/kWh. [Quelle].  

Denn auch der zweite Teil, die Transportkosten, steigen im nächsten Jahr um knapp 4 %. Im dritten Teil wird die Umsatzsteuer entsprechend des allgemeinen Preisanstieges mit wachsen. Die Stromsteuer bleibt gleich.  

Wie sieht es jetzt zukünftig mit der EEG Umlage und allgemein den Erneuerbaren Energien aus?

Ein höherer Strombörsenpreis hat zunächst auch zwei positive Effekte auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Erstens erhält der Netzbetreiber durch den Verkauf des erneuerbaren Stroms höhere Einnahmen und der Differenzbetrag zur Einspeisevergütung wird geringer.

Was passiert? Der Differenzbetrag und damit die EEG Umlage sinkt. Deshalb und aus zwei weiteren Gründen sinkt die EEG Umlage im Jahr 2022 auf 3,72 ct / kWh und somit um knapp 40 %.

Weitere Gründe für die sinkende EEG-Umlage sind, dass die Anlagen die 2000 als erstes für 20 Jahre gefördert wurden langsam keine Einspeisevergütung mehr erhalten und ein weiterer Zuschuss durch den Staat. Im Jahr 2023 strebt die neue Koalition sogar den Wegfall der gesamten EEG Umlage an [Quelle].

Erinnert ihr euch noch an das Ziel des EEG? Erneuerbare Energien marktfähig machen und was ist der zweite positive Effekt des höheren Strombörsenpreises? Erneuerbare Energien können jetzt am Markt bestehen oft auch ohne eine weitere Förderung.

Außerdem wird es für große Unternehmen immer interessanter ihren eigenen Wind- oder Solarpark zu errichten, um einen gesicherten Preis für Strom zu erzielen. Diese Kosten sind viel besser planbar als Abhängigkeiten von Öl, Gas, Kohle oder CO2 Preisen. Mittel- und Langfristig wird der Ausbau der erneuerbaren Energien den Strompreis somit wieder vergünstigen, wenn der Ausbau in den nächsten Jahren schnell erfolgt.

Es stehen uns also auf jeden Fall spannende Zeiten bevor und ich bin richtig gespannnt was sich da in den nächsten Jahren tut. Der Strompreis wird wohl in den nächsten paar Jahren noch ansteigen, ob er dabei wirklich die 50 ct/kWh erreicht, ist mehr als fraglich.

Falls du dich trotzdem fragst wie du den hohen Strompreisen trotzen kannst? Auf meiner Seite habe ich dir bereits einige Möglichkeiten vorgestellt und  werde hier in Zukunft auch noch zeigen wie du beispielsweise deinen Strom selbst erzeugen kannst. Daher freue ich mich, wenn du öfter mal auf meiner Seite vorbei schaust.

Euer Felix von EnergieTaler – nachhaltig für Umwelt und Geldbeutel.

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